Nicht jeder Marxist ist so, ich aber schon. Ich bin brennend interessiert an der Frage „Was hätte Marx gesagt?“ – zu heutigen Themen. Zu Digitalisierung und KI. Zu Putin und Trump. Zum Klimawandel. Zum Handyverbote für Jugendliche – naja, das vielleicht nicht, das ist eh Quatsch. Zur Ideologie der Tech-Postfaschisten in Amerika, die einzigen überhaupt, die Ideologie produzieren heutzutage. (Übrigens, was sagt die Linke dazu? Nichts.)
Raus dem Elfenbeinturm der Theorie
Nicht alle Marxisten, die ich kenne, sind so. Entweder sind sie so auf den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital fixiert, dass sie alles andere als Nebenerscheinungen (bei Mao gab es den „Nebenwiderspruch“) sehen, oder sie haben wirklich ein wissenschaftlich-historisches Interesse an den Werken des Marxismus und leben im Elfenbeinturm der reinen Theorie.
Für mich dagegen ist der Marxismus Grundlage für Politik und Grundlage der Politik ist die Einschätzung. Und in der, ist meine Erfahrung, kommt man mit dem Marx´schen Instrumentarium erstaunlich weit, um nicht zu sagen: in gewisser Weise reicht es aus. Es ist nicht falsch, zu sagen, Digitalisierung und Robotik sind im Prinzip Marx´sche Automatisation, besonders, was ihre gesellschaftlichen Folgen betrifft. Und Digitalisierung und Daten haben nicht mehr Ehrfurcht verdient, als die erste Rechenmaschine. Dass der Kapitalismus immer wieder mal am Implodieren ist, steht jeden Tag in der Zeitung. Der Klimawandel ist direkte Folge der Ausbeutung der Natur und Übernutzung der Ressourcen. Und wir haben so viel Marx´sche „Entfremdung“ in der Gesellschaft, daß man schon von einem allgemeinen Irrsinn sprechen kann. Im Prinzip machen wir doch alle irrsinniges Zeug – zum Beispiel 2,4 Stunden am Tag ins Handy schauen – weil wir gar nicht mehr wissen, warum wir auf der Welt sind.
DIE DREI wollte rumprobieren mit dem „angewandten Marxismus“
In diesem Blog gab´s eine Zeit lang ein Kolumne, die ein bisschen rumprobieren wolle mit diesem angewandten Marxismus. DIE DREI Autoren, die versuchten, marxistische Antworten auf Fragen der Zeit zu formulieren, in ganz kurzer Form, und bestenfalls unterschiedliche (pluralistisch!), waren Tobias Reichardt, Michael Heidemann, später stieß noch Barbara Eder dazu, und der MAC, weil wir hier im Prinzip im MAC Blog sind – dann waren vier schon vier, mit einer Vertretunglösung sozusagen.
Dann entschlief die Kolumne, die sich eigentlich recht guten Leserzuspruchs erfreute, aus Gründen der Überlastung durch unbezahlte Arbeit, Übernutzung der Ressourcen. Barbara Eder schickte noch einen Beitrag, der demnächst hier erscheinen wird, wenn ein geeigneter Rahmen gefunden ist – denn die „Widerparts“ fehlen. Hallo „Widerparts“, wo seid Ihr?
DIE DREI brachte es auf genau 10 Folgen, die heute hier in einer Gesamtausgabe erscheinen. Alle auf einmal. Für umme. Wenn das kein Angebot ist! Oder vielleicht auch Anstoß: Soll die Kolumne weitergehen? Schaut doch mal rein, sucht Euch ein Thema aus. Es macht auch Spaß! M.H.
