Friedrichshof: Was nach der Kommune blieb – und was daraus werden könnte

Gespräch mit Gitta Verlei und Amalie „Ami“ Rausch
Fragen: Michael Hopp und Amalie Rausch

Amalie Rausch kam 1973 zum ersten Mal auf den Friedrichshof und zog 1974 dauerhaft hierher. Sie arbeitete für die Kunstsammlung und ist seit rund 16 Jahren Obfrau des von ihr gegründeten Vereins Gartengemeinschaft Friedrichshof.

Gitta Verlei war nach der Auflösung der Kommune 1991 insgesamt 33 Jahre lang im Aufsichtsrat der Friedrichshof Wohnungsgenossenschaft tätig, zeitweise auch in deren Vorstand. Mit Michael Hopp sprechen die beiden über die schwierigen Jahrzehnte nach dem Ende der Kommune, die wirtschaftliche Entwicklung des Friedrichshofs – und über die Frage, welche Zukunft dieser besondere Ort haben kann.

Gitta Verlei kam schon im Blog vom 31. Juli 2026 zu Wort: https://michael-hopp-texte.de/das-war-mein-leben-in-der-muehl-kommune-von-gitta-verlei/

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Eingang zum Gemeinschaftsgarten. Alle Fotos: Henni Fischer

Vom Ende der Kommune zum heutigen Friedrichshof

MH: Gitta, du warst nach der Auflösung der Kommune über Jahrzehnte im Aufsichtsrat der Genossenschaft. Lässt sich die Entwicklung des Friedrichshofs in Phasen einteilen?

GV: Ja. Die ersten zehn Jahre nach der Kommuneauflösung waren wahnsinnig schwer. Der Friedrichshof war bis dahin aus dem Gemeinschaftseigentum finanziert worden. Hier lebten ungefähr 150 Kommunarden: Gruppenleiter, Lehrer der Privatschule, Handwerker, Mütter und Kinder. Die Einnahmen der Gruppen flossen, soweit sie nicht vor Ort gebraucht wurden, in eine gemeinsame Haushaltskasse am Friedrichshof. Daraus wurden der Hof, die Schule und die gesamte Infrastruktur unterhalten. Mit dem 1. Januar 1991 gab es wieder Privateigentum – und diese Finanzierung war von einem Tag auf den anderen beendet.

Dazu kamen das Chaos um den Prozess, die Verhaftung Otto Muehls und schließlich die Schließung der Schule. Plötzlich hatten die meisten Menschen hier keine Arbeit mehr. Mindestens 80 Prozent der Bewohner gingen weg, viele zurück in ihre Heimatstädte und -länder. Das Ende der Kommune war wie eine riesige Scheidung. Die Menschen waren erschüttert über das, was ans Licht kam, und wollten mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben. Außerdem gab es in der Gegend kaum Arbeitsplätze.

Die Wohnungen und Gewerbeflächen standen leer, das Castello und die Gemeinschaftsküche waren verwaist. Wir hatten ungefähr 80 Prozent Leerstand, also fast keine Einnahmen, aber weiterhin die Kosten für ein 20 Hektar großes Gelände, die Gebäude und die eigene Wasserversorgung. Wohnungen, die für Gemeinschaftsnutzung gedacht waren, mussten für private Nutzung umgebaut werden. Wegen des schlechten Rufs des Friedrichshofs war es ungeheuer schwierig, vernünftige Mieter zu finden. Beim Geschäftsbericht fragten wir uns jedes Jahr, ob wir das nächste Jahr noch überleben würden.

AR: Die Kunstwerke waren damals aber schon vorhanden?

GV: Ja, Otto Muehl hatte sein künstlerisches Werk wie alle anderen ihr Eigentum in die Kommune eingebracht. Die Bilder standen bei uns im Keller. Aber niemand wusste, was sie wert waren, und es gab keinen vorbereiteten Markt. Wer kauft Werke eines derart rufgeschädigten Künstlers bei ungeklärten Eigentums- und Verwertungsrechten? Es war Vermögen vorhanden, aber keine Liquidität. Hinzu kam, dass das Nordburgenland damals Ziel-1-Fördergebiet war: kaum Arbeitsplätze, kaum wirtschaftliche Möglichkeiten. Wer hierblieb, musste häufig nach Wien pendeln. Auch die Kinder wurden an den Schulen in der Umgebung gemobbt und teilweise täglich nach Wien gefahren.

MH: Wann änderte sich die Lage?

GV: Um das Jahr 2000 kam der erste größere Geldregen. Die Kommune hatte auf La Gomera zusätzlich zu El Cabrito eine unerschlossene Landzunge gekauft, weil man davon ausgegangen war, die Kommune werde immer weiter wachsen. Ein Helfer vermittelte uns als Käufer Fred Olsen, der hinter diesem Grundstück ein Resort besaß und verhindern wollte, dass vor seiner Nase etwas anderes entstand. Er zahlte einen sehr anständigen Preis. Der Erlös wurde zwischen der spanischen Gesellschaft und der Genossenschaft geteilt. Zum ersten Mal hatten wir ein Polster, um am Friedrichshof Infrastruktur zu entwickeln.

2001 wurden im lange leerstehenden Castello ein Hotel und ein Gasthaus eingerichtet. Die ehemalige Gemeinschaftsküche kam wieder in Betrieb, und gegenüber entstanden Ausstellungsräume für die Kunstsammlung. Vorher war das ein Lager gewesen: Vorne standen Bagger und Schneeschieber, dahinter lagerten die Schätze des Wiener Aktionismus. Wir besaßen damals eine sehr umfangreiche Sammlung mit Arbeiten und Dokumentationen auch anderer Aktionisten, obwohl der Schwerpunkt auf Muehl lag.

Mit Hotel, Gasthaus und Ausstellung begann die Öffnung. Menschen kamen hierher und sahen, dass der Friedrichshof ein schöner Ort war. Das Seminarhotel entwickelte sich, und wir einigten uns mit Otto Muehl über die Rechte und einen Teil der Werke. Damit waren die Eigentumsverhältnisse geklärt. Sammler begannen zu kaufen, und mit Kuratoren und Kunstmanagern entstand langsam ein Markt. Trotzdem blieb es wirtschaftlich immer knapp. Eine solche Sonderimmobilie bräuchte eigentlich eine „Cashcow“ oder einen finanzstarken Eigentümer, der Verluste ausgleichen kann. Beides hatten wir nicht.

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Weg im Gemeinschaftsgarten der Gartengemeinschaft Friedrichshof

MH: Gleichzeitig wurde der Friedrichshof nach und nach als Wohnort entwickelt.

GV: Immer, wenn etwas Geld vorhanden war, wurde um- und ausgebaut. Aus der offenen Reithalle wurden Ateliers, aus Werkstätten Wohnungen und Arbeitsräume. Schon 1991 oder 1992 hatte der Architekt Adolf Krischanitz mit uns einen Masterplan entwickelt. Der innere Bereich sollte als eine Art Central Park autofrei bleiben, gebaut werden sollte von außen nach innen mit Stichstraßen. Ursprünglich waren rundherum burgenländische Streckhöfe vorgesehen. Das ließ sich nicht durchhalten, weil private Bauherren ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen wollten.

Die ersten Einfamilienhausgrundstücke wurden oben am Stall erschlossen. Später kam die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft dazu. Die hatte anfangs Angst, mit der „verruchten Muehl-Kommune“ in einen Topf geworfen zu werden. Nach etwa 15 Jahren erkannte sie den Friedrichshof aber als attraktiven Wohnort und errichtete mehrere Anlagen. Inzwischen gibt es außerdem ungefähr 25 Einfamilienhäuser. Während Corona waren weitere Grundstücke schnell verkauft, weil viele Menschen aus der Stadt hinauswollten.

Dann beschlossen wir einen Baustopp für Einfamilienhäuser. Es wäre nicht nachhaltig, alle Flächen mit einzelnen Häusern auf großen Grundstücken zu verbrauchen. Im sogenannten Gärtnerinnenviertel existiert deshalb ein Bebauungsplan für verdichteten Wohnungsbau. Offen ist, wer ihn umsetzen könnte. Ein gewöhnlicher Bauträger muss mit knappen Margen Geld verdienen; ein idealistischer Investor ist schwer zu finden.

AR: Wann entstand die Überlegung, dass mehr ständige Bewohner nötig sind, damit sich die Betriebskosten tragen?

GV: Darüber wurde immer wieder gesprochen und gerechnet. Die Infrastruktur war schon zu Kommunezeiten auf etwa 500 Menschen ausgelegt. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ungefähr 300 Nutzer die Infrastruktur mitfinanzieren müssten, damit sich die Betriebskosten ausgehen.

MH: Was ist der Friedrichshof heute eigentlich? Wo endet er, und was verbindet die Menschen, die in den verschiedenen Gebäuden und Siedlungen leben?

AR: Historisch gab es in dieser Gegend viele Höfe, die eigene Gebiete mit Bewohnern bildeten, politisch aber zu einem Dorf gehörten. Der Friedrichshof gehört zur Gemeinde Zurndorf, ist aber ein spezieller Ort geblieben. Zuerst definierte ihn die Kommunegeschichte. Danach sagten wir: Wir öffnen uns, integrieren uns wieder in die Gesellschaft, Menschen können uns besuchen. Hotel, Restaurant und Ausstellungen waren ein Teil davon.

Auf unseren Werbefoldern stand: „Ort mit weitem Horizont“. Damit war nicht nur die flache Landschaft gemeint, sondern auch ein geistig weiter Horizont. Hier lebten Menschen aus vielen Nationen, und man war offen und am Puls der Zeit. Auch die später Zugezogenen würden sagen: Wir leben am Friedrichshof – unabhängig davon, wem ihre Immobilie gehört.

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Platz nehmen im gemeinschaftlich bepflanzten und gepflegten Garten

Die Zukunft zwischen Immobilie und Utopie

MH: Damit sind wir bei der Zukunft. Hotel und Gastronomie werden nur eingeschränkt genutzt, die frühere Schule steht leer, und auch für das Castello fehlt eine dauerhafte Lösung. Wo besteht der größte Handlungsbedarf?

GV: Wir arbeiten uns wieder am Castello ab – wie schon vor 20 Jahren. Mein Wunsch wäre ein Hotelbetreiber mit Gasthaus. Der müsste allerdings Geld mitbringen, einen langen Atem haben und akzeptieren, dass hier selbst bei klugem Management wenig zu verdienen ist. Als Pächter betreibt man kaum jahrelang Selbstausbeutung. Das macht man eher, wenn einem die Immobilie gehört.

Sehr schön wäre eine Wohngruppeninitiative. Wenn 30 aktive Menschen sagten: Das ist unser Ort, hier wollen wir leben, ausbauen und Projekte machen – das würde den Friedrichshof auf eine neue Basis stellen. Gefunden haben wir eine solche Gruppe bisher nicht. Viele suchen die Nähe zur Stadt und eine direkte Bahnanbindung. Obwohl man quer durch Wien manchmal länger braucht als von hier nach Wien, wirkt der Friedrichshof gefühlsmäßig weit entfernt.

Ideen für andere Nutzungen gibt es genug: ein Zentrum für chinesische Medizin, Verbindungen von Wohnen, Gesundheit und Kunst oder andere Projekte. Das Problem ist nicht die Idee, sondern das Kapital. Man braucht einen Investor mit erheblichem Eigenkapital, nicht nur einen Bankkredit. Fast alles, was ohne Umbau vermietbar ist, ist bereits vermietet. Für das Castello oder frei werdende Werkstätten müsste man zuerst viel Geld in die Hand nehmen. Der Umbau in Wohnungen wäre für die Genossenschaft eine letzte Möglichkeit, aber nicht meine Wunschlösung.

MH: Ami, was wünschst du dir für die Zukunft?

AR: Ich sehe auch, was rundherum passiert. Wir leben mitten in einem Windpark, direkt an der Autobahn und neben einer Starkstromleitung. Es besteht die Gefahr eines Wasserstoffkraftwerks vor der Tür und eines Megarechenzentrums in Nickelsdorf. Beide brauchen ungeheuer viel Strom und auch viel Wasser – und das im trockensten Gebiet Österreichs. Diese Entwicklung macht die Umgebung nicht gerade reizvoller für Menschen, die hierherziehen sollen.

Ich selbst lebe gern hier, habe vieles mitgetragen und mitentwickelt. Natürlich wünsche ich mir eine Gruppe junger, aktiver und engagierter Menschen. Aber deren ökonomische Situation ist schwierig; viele kämpfen um Arbeit und darum, überhaupt überleben zu können.

Die Gartengemeinschaft ist für mich deshalb wichtig. Sie ist eine wirkliche Gemeinschaft, in die die Menschen gern kommen und in der sie gern arbeiten. Man kann von einem Heilgarten sprechen, fast von einem Biotop. Darin lebt ein Rest unserer Gemeinschaftserfahrung weiter, aber begrenzt auf eine konkrete Aufgabe. Gerade das finde ich gut. Eine totalitäre Gemeinschaft will niemand mehr, ich auch nicht – davon hatten wir genug. Ich möchte aber ebenso wenig, dass alles vereinzelt und jeder sich nur noch ins Private zurückzieht.

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Die Mitglieder des Gemeinschaftsgartens betreiben biologischen Anbau mit Permakultur mit Obst, Gemüse, Beeren und Kräutern für ihren eigenen Bedarf. Hier spriesst der Kürbis

An einem solchen Ort braucht man Kommunikation. Auch in den umliegenden Dörfern verschwinden Treffpunkte, Gasthäuser schließen, und Menschen ziehen sich in digitale Welten zurück. Was ist dann das Besondere am Friedrichshof, das man weiterentwickeln kann? Es kann nur von Menschen getragen werden, die gern hier sind, sich engagieren, kommunikationsfähig bleiben und sich beim ersten Konflikt nicht beleidigt zurückziehen.

MH: Meine Vorstellung wäre, dass Menschen aus ihrer Erfahrung und Persönlichkeit etwas Besonderes mitbringen und es hier mit anderen weiterentwickeln. Eine Person könnte eine Schreibwerkstatt aufbauen, einen künstlerischen Bereich oder ein Bildungsprojekt betreuen. Solche Felder würden jeweils von zwei oder drei überzeugenden Persönlichkeiten getragen, die weitere Menschen anziehen.  Eigentlich wie es heute Ami mit dem Gemeinschaftsgarten macht. Solche Projekte gibt es ja bereits, wie eben in der Gärtnerei, mit den Ateliers oder der Factory. Im Moment aber eher im Verborgenen und unverbunden. Das zu erweitern und öffentlich zu machen,  wäre ein neues Projekt – verbunden mit dem Bekenntnis, dass der Friedrichshof ein Ort der Utopie bleibt. Nur weil ein utopisches Projekt einmal katastrophal entgleist ist, muss man den Gedanken der Utopie nicht aufgeben, keinesfalls. Natürlich gehören auch ein Arzt und ein Lebensmittelgeschäft hierher, wir müssen zum „Dorf“ werden. Und ein Café, in das man immer gehen kann. Man könnte hier Lesekreise ohne Ende veranstalten. Lesekreise können die Welt verändern, das zeigt die Geschichte.

AR: Seminare und Veranstaltungen wären wichtig. Man könnte eine Bühne einbauen, Theater, Lesungen und Gäste aus Wien hierherbringen. Am Anfang braucht es aber einen Kern von Menschen, die sich wirklich dazu verpflichten, etwas aufzubauen und ihre Kreativität einzubringen.

GV: Mein dringendster Wunsch ist ein tragfähiges Konzept für Hotel und Restaurant. Ich möchte nicht, dass dort auch noch Wohnungen entstehen. Mit einem funktionierenden Betrieb könnte man vieles verbinden: das Schulhaus wieder nutzen, Veranstaltungen durchführen und Gäste versorgen. Ohne diese Infrastruktur muss man für jede Feier und jede Veranstaltung Catering, Aufbau und Abbau neu organisieren.

AR: Dem schließe ich mich ganz an. Es gibt keinen Ort, an dem sich die Bewohner regelmäßig treffen können. Man trifft sich privat in kleinen Gruppen. Ein Restaurant, Gasthaus oder Café würde sofort mehr Begegnung ermöglichen. Das wünschen sich viele.

MH: Vielleicht wäre ein verlässlich geöffnetes Café ein erster, kleiner Schritt. Es müsste keine große Karte haben. Entscheidend wäre, dass man weiß: An einigen Nachmittagen kann ich dort hingehen, einen Kaffee trinken, jemanden treffen oder mich mit Gästen verabreden. Auch ein teilweise selbstorganisierter Betrieb könnte dem Ort kommunikativ viel geben. Eine Theaterbühne.  Ein selbstverwaltetes Kino – die Kosten für sowas sind heute viel geringer als früher.  Natürlich eine Bücherei zum Gratis-Ausleihen.

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Mit der zunehmenden Erhitzung braucht der Garten ein neues Bewässerungskonzept

AR: Für den Garten wollen wir außerdem ein sparsames Bewässerungskonzept entwickeln. Die Trockenheit ist so groß, dass man im Sommer oft nur morgens und abends arbeiten kann. Denkbar sind Tropfbewässerung oder computergesteuerte Anlagen, die nachts bewässern, wenn weniger Wasser verdunstet. Für die wichtigsten Bäume haben wir bereits Wassersäcke angeschafft.

MH: Der Garten wird damit beinahe zum Symbol: Der Friedrichshof braucht ein Bewässerungskonzept, damit das Leben hier nicht verdorrt.

GV: Ich bin trotz allem zuversichtlich. Wir dürfen die Vergangenheit nicht verleugnen. Bei einem Projekt, das sie ausradieren wollte, würde ich nicht mitmachen. Aber heute lässt sich besser trennen: Otto Muehl ist Kunstgeschichte; die Geschichte der Kommune bleibt Teil dieses Ortes; und die Frage nach neuen Formen des Zusammenlebens ist weiterhin aktuell. Würde man diesen Gedanken aufgeben, bliebe nur eine schwer zu betreibende Immobilie.

Bei einem Symposium über Alternativen zur Familie habe ich erlebt, wie groß das Interesse gerade junger Menschen ist. Sie fragten nicht nur nach den bekannten Skandalen, sondern danach, wo heute noch Raum zum Träumen sei. Das hat mich berührt. Vielleicht braucht es am Friedrichshof wieder ein Utopie-Symposium – nicht um die Vergangenheit schönzureden, sondern um neue Ansätze zu entwickeln.

MH: Dafür müsste man zunächst auf wenigen Seiten formulieren, was man eigentlich vorhat, mögliche Referenten ansprechen und Finanzierung suchen. Das Wort „Utopie“ ist dabei ein starkes Signal. Es bezeichnet einen menschlichen Gegenentwurf zu einer zunehmend technokratischen und digitalen Welt: gemeinsames Leben, direkte Kommunikation und die Fähigkeit, sich eine andere Zukunft überhaupt noch vorzustellen.

AR: Wir brauchen nicht weniger Technik, sondern wieder mehr Mut zu menschlichen Utopien.

GV: Und Menschen, die bereit sind, sie gemeinsam zu tragen.

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