Liefern am Limit: Eine neue Arbeiterklasse geht in den Kampf

Am Montag, 22. Juli gibt es in Hamburg im Wohl oder Übel den ROTEN SALON HAMBURG zum Thema „Digitalisierung von Gegenmacht“. Zum Anspruch des ROTEN SALON gehört es, neben den übergreifenden Themen (Neiman, Kowalczuk) den Blick auf die konkreten, aktuellen Klassenkämpfe nicht zu verlieren. Das Buch „Digitale Gegenmacht“ (transcript Verlag), dessen Autoren Martin Oppelt und Falko Blumenthal  (IG Metall) zu Gast sind, bietet dafür eine ideale Gelegenheit. Es zeigt Perspektiven, wie sich Gegenmacht digitalisieren kann. Von der Digitalisierung sind so gut wie alle Arbeitnehmer betroffen, besonders sichtbar sind die neuen Kampfformen im Moment im digitalen Sektor, wie den Lieferfirmen. Mit den Fahrradkurieren oder Ridern ist ein neuer Typus des „Proletariers“ entstanden, der mit den aktuellen Konflikten bei Firmen wie Getir oder Lieferando aus der Anonymität auftaucht – und mit den Waffen Handy und Social Media neue, kreative, explosive Formen des Arbeitskampfes entwickelt hat

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Aus einem Interview mit dem Aktivisten Orry Mittenmaier:

„Alles fancy“

Die haben sich Mühe gegeben, dass das alles fancy aussieht. Alles junge Menschen, kommst in ein Altbaugebäude rein, alles cool, alles hip, steht da n Kicker, Bier in der Kühltruhe – und dann: erstmal 100 Euro Pfand von dir verlangt. Für die Box, mit der du transportierst. Und Klamotten, die überhaupt nicht gut sind. So’n dünnes Poloshirt, wo man sofort einen Hautausschlag bekommen hat. Billige Produktion. Haben die in der Anfangsphase gestellt. Die Bedingungen muss man sich so vorstellen: Fahrrad stellst du selbst. Du stellst dein Handy, Gebühren zahle ich selbst. Daten werden gesammelt und weitergegeben, damit verdienen die auch gut Geld. Daten von Kunden und den Ridern. Was wurde bestellt, welcher Stadtteil etc. Daten von den Ridern: Was braucht ein Rider, wie schnell ist der. Leistungskontrolle. Arbeitsklamotten für alle vier Jahreszeiten. Selbst mitgebracht. Mehrere Kombinationen bei einem 40-Stunden-Job, ohne das stinkst du ja wie sonst was am Ende. Kostet wahnsinnig viel Geld. Handys brauchst du eins bis zwei pro Jahr. Guckst ja ständig drauf, Akkus werden angegriffen, Handy fällt auch mal runter, wenn du acht Stunden im Schnee fährst. Und dann hast du, als wäre das nicht alles schamlos genug, Ein-Jahres-Verträge. Einmal scheiße gebaut, wirst du nicht mehr verlängert. Überlegst dir dreimal, ob du dich krank meldest. Dann rufen die dich zuhause an und drohen dir: „Du hast doch nächsten Monat Feedback-Gespräch.“ So offen drohen die, dann gehst du auf die Straße. Und die Kontrolle: Die sehen alles ganz genau, auf die Minute, sehen ganz genau, ob du schnell genug fährst und wo du bist. Sehen deine Durchschnittszeit und du wirst abgemahnt, wenn du davon abweichst.“

Das ganze Interview mit Orry Mittenmayer steht auch als Link in der Liste

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Lieferando – fair?

Lieferando feiert sich als fairer Arbeitgeber und zitiert dazu eine Studie, bzw. Umfrage der Kampagne Fairwork des WZB in Berlin.Wir haben mit Fairwork gesprochen. Ergebnis: Es bleibt noch viel zu tun bei Lieferando, damit sich das Unternehmen tatsächlich mit dem Titel “fairer Arbeitgeber” schmücken kann.

https://www.facebook.com/liefernamlimit/?locale=de_DE

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„Lieber im Warmen, als draußen im Regen stehen.“

Die Geschichte eines Widerstands gegen Unternehmenswillkür. Interview mit Orry Mittenmayer, Gewerkschafter, Aktivist, Buchhändler, Jobber, Fahrradkurier/Rider, ehem. Betriebsrat bei Deliveroo in Köln, Mitgründer von „Liefern-am-Limit“, 31 Jahre, Deutscher – und jetzt Student der Politikwissenschaft an der Uni Kassel.
https://michael-lacher.de/fahrradkuriere-lieber-im-warmen-als-draussen-im-regen-stehen-die-geschichte-eines-widerstands-gegen-unternehmenswillkuer-ein-interview



Mit dem Lieferdienst Getir steht der nächste Konzern in der Branche kurz vor dem Bankrott:

Getir: Es hat sich ausgeliefert

»Lebensmittel in Minuten« verspricht Getir. Ende vergangenen Jahres hat der Lieferdienst den deutschen Konkurrenten Gorillas geschluckt. Doch bisher macht Getir nur Verluste. Jetzt wird in etlichen Ländern Personal gekürzt, vor allem in Deutschland. 
https://jungle.world/artikel/2023/36/es-hat-sich-ausgeliefert


Aufstand der Wirte

Gastronomen wehren sich zu Recht gegen die hohen Provisionen der Essenszusteller. Kostenwahrheit ist in der Welt der letzten Meile ein Fremdwort
Die Geister, die sie rief, wird die Gastronomie nicht mehr los. Essenszustellung rettete viele Betriebe über die Corona-Krise hinweg, ihre Gäste fanden Geschmack daran. Lieferdienste nutzten die Gunst der Stunde und bauten Monopole auf, denen sich Wirte kaum noch entziehen können.
https://www.derstandard.at/story/3000000217369/der-aufstand-der-wirte-gegen-lieferdienste-ist-verstaendlich

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