Das ist ein Durcheinander, wie es nur der MAC anrichten kann. Gerade noch im österreichischen Burgenland mit neuen Folgen des „Brief vom Friedrichshof“ beschäftigt und der Vorbereitung des ROTEN SALON WIEN zum Buch „Marx & Engels und der Rassismus ihrer Zeit“ (der Adaption einer Veranstaltung des ROTEN SALON Hamburg – beide beziehen sich aber auf den im Wiener Mandelbaum erschienen Titel), verbringt der MAC nun einige Tage in seinem neuen Headquarter in der Hamburger Hafenstrasse, unter anderem, um sich auf der heute startenden IndieCon umzusehen, der grossen internationalen Messe der Independent Publisher im Hamburger Oberhafen. Vielleicht sehen wir uns da: https://www.indiecon-festival.com/ JAAA!
Praktische Anleitung zu einem inspirierten Leben
Zur gestrigen Präsentation des neuen Bandes des WOCHENENDER aus dem Frenz Verlag– „Kunst endeckten im Öffentlichen Raum“ – war der MAC zwar nicht eingeladen (aus Gründen, die nicht hierhergehören, und am Ende nur in Buchform angemessen erörtert werden können), kommt aber trotzdem gerne der Bitte nach, zur Bekanntmachung des toll und besonders solide und umfassend gemachten Bandes beizutragen. Der Hamburger Indie-Verlag , der einst aus dem Redaktionsbüro und der späteren Content Agentur HoppundFrenz (HuF) hervorgegangen ist, variiert damit seine Kernkompetenz der praktischen Anleitung zu einem inspirierten Leben auf interessante, überraschende Art!
Hier schon mal zum Reinblättern:
https://www.wochenender-buch.de/product-page/kunst-im-oeffentlichen-raum
WOCHENENDER verführt zum Flanieren
Nach den zunächst norddeutschen Reisebüchern, die zu Dünen und Stränden, aber auch zu Berge, Seen und Wäldern führten, in die Spielplatz-Welt, die in „Kinder in Hamburg“ gezeigt wurde und in die urban-historischen Parklandschaften in Berlin und Hamburg ,will der WOCHENENDER nun in Kooperation mit dem Blog „Kunstflaneur“ zum Erkunden der oftmals verborgenen Werke renommierter Künstler im öffentlichen Raum verleiten.
Naturgemäß ist die Stadt Hamburg mit ihrem mehr oder weniger verborgenen Kunstschätzen als erstes dran.
61 solcher Kunstwerke – von Nr. 1 der Reihung, Michala Melian, bis Nr. 61, Olaf Metzel – werden hochwertig präsentiert, darunter auch Big Names wie Bansky, Beuys, A.R. Penk, Wurm. Besonders offensiv geht der Schweizer Remy Zaugg das Hamburg-Thema an, indem er „Kanäle,Himmel, Eisenbahnbrücke, Wind, Schiffe, Lagerhäuser, Wolken, Hafenkräne“, die Bestandteile der Hamburger Hafenkulisse, in einer Typo-Installation einfach beschriftet, um nur ein Beispiel zu nennen.
Wo ist die „Kunst am Bau“ geblieben?
Wenn es an dem durch Fülle, Genauigkeit, Zweisprachigkeit und hoher Bild- und Textqualität überzeugenden Band etwas zu kritisieren gibt, dann wäre es eine fehlende politische Dimension, nämlich die heutige „Kunst im öffentlichen Raum“ auf die „Kunst am Bau“ zurückzuführen, die gerade in Hamburg große, sozialistische Tradition hat, seit Oberbaudirektor Fritz Schumacher in den 1920er-Jahren Künstler an staatlichen Bauten mitwirken ließ. Im Jahr 1951 ersuchte die Hamburgische Bürgerschaft den Senat, zwei Prozent der Bausumme staatlicher Bauvorhaben für Gemälde, Wandbilder und Plastiken einzusetzen. Im WOCHENDER verzichtet übrigens auch der Autor des Vorworts, der sozialdemokratische Kultursenator Carsten Bodsa, darauf hinzuweisen.
Besonders in den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden dadurch zahlreiche Sgraffiti, Mosaiken, Reliefs, Glasfenster und Skulpturen – vor allem an Schulen, Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden und Wohnanlagen.1981 löste Hamburg als erste deutsche Metropole dieses baugebundene Auftragsmodell durch das freiere Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ ab. Die Mittel waren nun nicht mehr zwingend an einen bestimmten Neubau gebunden.
Gerade bei der älteren Kunst am Bau gäbe es für den WOCHENENDER im wahrsten Sinne des Wortes viel zu entdecen., weil viele Arbeiten in Schulhöfen, Treppenhäusern oder Eingangshallen liegen, hinter Anbauten und Wärmedämmungen verschwunden sind,mit dem Gebäude abgerissen oder ohne ausreichende Dokumentation entfernt wurden,oder eher als „Bauschmuck“ denn als eigenständiges Kunstwerk wahrgenommen werden. Stoff für einen zweiten Band gäbe es also genug!
Dass Hamburg selbst den Bestand einmal für bedeutend hielt, zeigt der 1959 erschienene, im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Baubehörde erstellte Band Kunst am Bau in Hamburg 1947–1958. Er umfasst 136 Seiten und präsentiert eine repräsentative Auswahl der damals entstandenen Werke: Bibliothekskatalog des KIT

Szenenwechsel: ROTER SALON WIEN, Volksstimme-Fest
Noch tastend und zaghaft geht der ROTE SALON WIEN vor, der zwar mit Heinrich Deterings „Ökologie bei Marx“ eine erfolgreiche Premiere hatte und sich nun an eine zweite Veranstaltung wagt – dank auch der treuen Partner um Roland Schweizer und sein großartiges „Café Else“ – aber weiterhin Orientierung und Partnerschaften sucht. Wie in Hamburg soll der ROTE SALON auch in Wien nicht Selbstzweck sein oder reine Verlagswerbung, sondern ein Instrument politischer Bildung in einem entsprechenden politischen Kontext.
Was könnte in Wien dieser Kontext sein? Dem MAC, Gründer des ROTEN SALON, fehlen die fast 40 Jahre, die er nicht in Wien war, um sich hier schnell ein Bild machen zu können. Was hat sich verändert in der Linken seit seiner Zeit in den 70er bis Mitte der 80er Jahre bei Sektion 6/Sparatkus, FÖJ, SJ, Arbeiter Zeitung, Neue Freie Presse, Neues Forvm und Wiener Tagebuch?
Vielleicht ist es für manche Leser in Deutschland und in Österreich interessant, den MAC bei dieser Aufarbeitung der historischen Lücke zu begleiten, der folgende Beitrag, der zuerst im „Neuen Deutschland“ erschienen ist, geht in diese Richtung.
Und ja, während in Hamburg die Indiecon an den Start geht, tut dies in Wien das Volksstimme-Fest. Bin ich jetzt am falschen Ort, oder am richtigen? Für die nächste Zeit einen Besucht wert zu sein, scheint das Kirchweger Haus.

Die Erneuerung der österreichischen Linken
Die ostdeutsche Wende manifestierte sich in Österreich auch im Konflikt um das besetzte Ernst-Kirchweger-Haus
Damals war ich noch nicht einmal ein Staubkorn. Auch meine Eltern und meine Tante in Graz waren 1989/90 zu jung – Kinder –, um die Lage politisch einzuordnen. Zurück blieben diffuse Erinnerungen an Fernsehbilder von Trabbis, die wohl während des Paneuropäischen Picknicks die österreichisch-ungarische Grenze querten, von »Wind of Change« beim Fall der Mauer und von Menschen, die »Auf der Mauer, auf der Lauer« sangen. Meiner Oma prägte sich der Fall der Mauer als »Freudentag« ein. Ihre Mutter stammte aus Magdeburg, von vereinzelten Besuchen bei der Verwandtschaft hatte sie vor allem an der Grenze aufmarschierende bewaffnete Soldaten in Erinnerung.
In Österreich war indes eine andere – nämlich die sogenannte Brandmauer – bereits 1983 gefallen. Damals verlor die Sozialdemokratie die absolute Mehrheit und ging eine kleine Koalition mit der rechtsextremen Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ) ein. Von 1986 bis 1992 prägte zudem die Waldheim-Affäre das Land. Kurt Waldheim, in jenen Jahren Bundespräsident, hatte verschwiegen, dass er Mitglied des Nationalsozialistischen Studentenbunds gewesen war, und zudem einige Lücken in der Erzählung über seinen Kriegseinsatz auf dem Balkan gelassen.
Erstmals beschäftigte sich die Öffentlichkeit mit der Beteiligung der Bevölkerung an NS-Verbrechen, auch im Zuge des auf die ostdeutsche Wende und die deutsche Vereinigung folgenden Rechtsrucks in Österreich. Es war auch jene Zeit, in der der Mythos, Österreich sei das erste Opfer der Nationalsozialisten gewesen, ins Wanken geriet. Die Wende in Ostdeutschland entfachte zudem Sorge um die Neutralität des Landes, die Zahl der Totalverweigerer des Militärdienstes erreichte 1990 einen Höchststand, es folgten jahrelange Verfahren wegen Aufrufen zur Nichtbefolgung von Militärgesetzen. Antimilitarismus war en vogue, auch in der Kommunistischen Partei Österreich (KPÖ).
Die Autonomen und die KPÖ
»Es war eine komplizierte Zeit«, erinnert sich KPÖ-Urgestein Michael Graber, im Gespräch mit »nd«. Seine Partei hatte die Linie Gorbatschows unterstützt und Hoffnung auf Reformen in der Sowjetunion gesetzt. Sie sollten es attraktiver machen, für einen »osteuropäischen Sozialismus« einzutreten. »Für mich bedeutete die Wende eine Krise der politischen Orientierung und der Identität«, erzählt Graber. Sich vom »realen Sozialismus« zu verabschieden und »neue post-kapitalistische Ideen« aufzubauen, dauerte Jahre und war, für ihn und die Partei, mit vielen Widersprüchen verbunden. Das drückte sich auch in Wahlergebnissen aus. Die Zustimmung für die KPÖ erreichte in den 90er Jahren ihren Tiefpunkt. Zusätzlich hatte das Ende der DDR ökonomische Folgen. Deutsche Behörden beschlagnahmten KPÖ-Werte als SED-Vermögen, es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit und, in Grabers Worten, die »Enteignung der KPÖ«.
Die Entwicklung äußerte sich auch in innerlinken Konflikten. In den 90er Jahren besetzten Autonome ein Haus der KPÖ im zehnten Wiener Gemeindebezirk. Wenn es die sozialistischen Länder nicht mehr gebe, gebe es auch die Partei bald nicht mehr und man könne ihr die Häuser wegnehmen, schätzt Graber die Idee dahinter ein.
Robert Foltin wiederum, seines Zeichens der autonomen Szene entstammend, sieht das anders. »Die Krise der KPÖ und ihre Ankündigung einer Öffnung zur übrigen Linken hin wurde benutzt, um das Haus zu besetzen, weil es von der KPÖ nur sporadisch genutzt wurde«, schreibt er in einem Buch über österreichische linke Bewegungen.
Ein weiteres Motiv sei die Hoffnung gewesen, dass eine kommunistische Partei die Besetzung nicht durch die Polizei räumen lassen würde. Die KPÖ drohte damals mit einer Gegenbesetzung durch Hunderte steirische Bergarbeiter*innen. Schließlich beruhigte sich der Konflikt. 2004 verkaufte die Partei das Haus – begründet mit der finanziellen Misere durch das Gerichtsurteil über die DDR-Gelder. Später übernahm die Stadt Wien die Eigentümerschaft. Das Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) – benannt nach einem Kommunisten, der in den 60er Jahren bei einer antifaschistischen Demonstration von einem Burschenschafter erschlagen wurde – ist bis heute ein Knotenpunkt der Wiener linken Szene.
Abgesehen davon waren die Autonomen von der Wende wenig beeindruckt, so Foltin. Sie richteten ihren Blick damals nicht auf »revolutionäre Staaten«, sondern auf »Unruhen und Guerillakriege im Trikont und Europa«, wie er schreibt. »1989/1991 ist die Bedeutung der staatlichen Orientierung der Linken zu ihrem sichtbaren Ende gekommen.« Eine »diffuse Antistaatsideologie« rief Ungewissheit hervor, »aber auch neue Perspektiven für revolutionäre Veränderungen«. Schlussendlich auch für Graber und die KPÖ, meint dieser: »Unser Ausweg war die Erneuerung.« Über Erneuerung freute sich damals auch meine Oma.
Sarah Yolanda Koss, Jahrgang 1995, hat Politikwissenschaft und Konflikt- und Krisenjournalismus in Wien und Thessaloniki studiert. Danach koordinierte sie das Onlinemedium »mosaik« und recherchierte als freie Journalistin für Print, Online und Radio. Schwerpunkte: Sozialpolitische Fragen sowie gesellschaftliche In- und Exklusionsmechanismen. Seit 2024 Redakteurin für Sozialpolitik bei »nd«, wo der Beitrag in der online-Ausgabe vom 13. September 2025 auch dass erste Mal erschien.
