Ich bin gerade in Hamburg für ein paar Tage, und vielleicht sehe ich da die Dinge mit etwas mehr Abstand. Eine Frage stellen sich Henni und ich oft: Warum läuft eigentlich das Restaurant nicht besser? Genauer gesagt, der toll und gut und engagiert unternommenen Versuch von Martina und Michael, die Gastronomie und ev. auch das Hotel wiederzubeleben . Indem man nicht gleich viel Geld in die Hand nimmt, sondern „klein“ und vorsichtig beginnt, mit einem Food Truck, wie er jetzt über den Sommer im Garten des Restaurants gestanden ist. Und der jederzeit woanders aufgestellt werden kann. Ein Versuch.
Einhergegangen mit den Akivitäten sind übrigens, von vielen wahrscheinlich unbemerkt, liebevolle Sanierungs- und aufräumungsarbeiten im Restaurant selbst und auf den Fluren und in den Zimmern des Hotels. Ich habe alles selbst gesehen, weil wir für Besuche gebucht hatten. Alles war schön und gepflegt und freundlich und perfekt – kein Anlass zur Klage. Auch das Frühstücksangebot: top, wie man in Testberichten wohl sagt.
Alles in allem, eine sehr gute, der gegenwärtigen Situation des Friedrichshof, mit all den Gedanken, wie der Leerstand am Gelände genutzt werden könnte, passgenau entsprechende Initiative. Zumal bisher, trotz intensiver Bemühungen, weder externe Gastronomen noch Investoren zu begeistern waren. Das Konzept von Martina und Michael ist auch nicht auf kurzfristigen Gewinn aus, sondern zielt eher darauf ab, aus dem Vorhandenen was zu machen. Die Bewohner einzubinden, einen Ort der Kommunikation zu schaffen, in langfristiger und nachhaltiger Perspektive. Menschen, die zusammensitzen, kommen oft auf Ideen.

Klar kommen an den Wochenenden vielleicht ein paar Radfahrer oder Touristen vorbei. Aber in erster Linie wäre es an den Bewohnern des Friedrichshof selbst gelegen, durch Nutzung der gastronomischen Angebote dem Projekt etwas Anschub und Dynamik zu verleihen.
Jedoch – tote Hose, weitgehend. Viel zu oft sahen wir den wunderschönen Garten mit den auf Gäste wartenden Tischen – menschenleer. Klar, die etwas unübersichtlichen und für den Café-Betrieb allzu schmalen Öffnungszeiten, können als hinderlich angeführt werden. Wäre mehr los gewesen, hätte sich dies mittelfristig ändern lassen.
Aber war eben nicht, zumindest über den Sommer nicht und ich weiß nicht, wie es jetzt weitergeht. Jetzt kann man sich fragen: Warum? Nicht das richtige Angebot? Zu teuer? Eben die Öffnungszeiten … Ich meine, unsere Gegend hier ist nicht überbesiedelt mit gastronomischen Angeboten. Ich nutze in Gols den Bäcker „Nagelreiter“ als Café und um in die (vorher gekaufte) Zeitung zu schauen – was für einen chronischen, urban geprägten Kaffehaushocker wie mich schon eine Umstellung ist. Auch wenn man mal nicht selbst kochen will, oder Gäste hat, tut man sich hier in der Gegend schwer. Ein „Bedarf“, zumindest in gewissem Ausmaß, müsste doch gegeben sein, in der vielfältigen, irgendwie amoprhen und schwer einzuordnenden Gruppe der gegenwärtigen Bewohner des Friedrichshof.
Es ist seltsam, es wird immer gesagt, über 300 Leute leben hier – aber wo sind sie eigentlich? Auf den Wegen und schmalen Straßen unseres „Dorfs“ trifft man sie nicht. Sind alle immer zu Hause? Unheimlich. Oder arbeiten untertags ausserhalb oder in Wien und sind abends vom Hin- und Herfahren so fertig, dass sie auf nichts mehr Bock haben. Und Geld eh keines. Der einzige mit höherer Frequenz genutzte öffentliche Platz ist der Badeteich. In der „Factory“, die ja auch ein Angebot zur Kommunikation ist, ist nicht sooo viel los, andere öffentliche Ort wie die Kunstgalerie gibt es nicht mehr. Am erfolgreichsten scheinen die über Newsletter beworbenen, niedrigschwelligen Veranstaltungsangebote der Wohnbaugenossenschaft („Yoga für Vollschlanke“ – sorry, Scherz !) zu sein. Wobei sich hier vielleicht auf die Frage stellt, wie weit digitale Kommunikation zur Ankündigung angenommen wird.
So viele Menschen – und so schwer auszumachen, wer sie sind und was sie wollen. Alle, die Henni und mich bisher hier besucht haben, fanden die Anlage und die Möglichkeiten, die sie bietet toll – hatten aber natürlich auch Fragen oder gleich Ideen, zum Beispiel dazu, was aus der leerstehenden Schule gemacht werden könnte. Sie waren aber auch an der Geschichte des Friedrichshof interessiert, was ihn denn zum so besonderen Ort macht oder gemacht hat. Darüber kann und will und muss man sprechen, so wie es einige von uns jeden Tag untereinander tun.
Insofern war mein Aufruf an die Bewohner von letzter Woche, den Muehl-Ausstellung in Wien zu besuchen, überhaupt nicht daneben. Aber ich gehe nicht davon aus, dass er befolgt wurde.
