https://taz.de/Wissenschaftlerin-ueber-DDR-Literatur/!6176004
Der Link ist kein Irrtum. Gestern war ROTER SALON in Hamburg. Queere Literatur in der DDR. Ein Archiv-Thema. Ein Kisten-und Kartonthema. Wer macht die Archiv-Kisten-Karton-Arbeit, auf der alles beruht? Wer hat sie für Christa Wolf, für Maxie Wander gemacht, ausser die Stasi? Die Knochenarbeit. Schwerelose Kisten sind digitale Ordner. Wer vertraut Ordnern? Aber gibt es noch wen, der im gedruckten „twen“ von 1972 („Heiraten, nur weil ein Kind kommt?“) blättern will? Bei mir gibt es keine Nachfrage. Bei mir gibt es die Kisten, die Last. Für wen? Kränkung, Wut, Selbsthass. Jetzt sind sie am Friedrichshof im Burgenland untergekommen. Der MAC gleich mit. „Ah, das frühere Hauptquartier der aktionsanalytischen Kommune des Otto Muehl“, sagt gestern ein Teilnehmer, des MASCH-Lesekreises (Video) zu Stephan Krügers „Kapitalismus in Deutschland“, der auch gestern gestartet ist. Wie weit lässt sich der heutige Kapitalismus aus der Marx´schen Wert-Theorie erklären? Wie weit ist sie der bürgerlichen Volkswirtschaftslehre mit all ihren Vernebelungen überlegen? Marx hat sie in „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“ mit einer Camera Obscura verglichen, die das Bild auf dem Kopf stehend zeigt. Wer in den spannenden Lesekreis noch einsteigen will: info@masch-hamburg.de

Auferstanden aus Kisten
Die Kisten, das Hopp und Frenz-Archiv, das MH-Zeitschriften-Archiv, die Fix & Foxi-Sammlung. Die 60er-, 70er-Jahre Sammlung. Das MAC-Archiv, die Fotosammlungen. Der ganze Wahnsinn, das ganze Chaos, das ganze Disparate eines mehr als 50jährigen Lebens in den sogenannten Medien, bevor sie Kommunikationskanäle waren. Die Platten. Alles von Brecht. Allein der Transport von Hamburg nach Wien eine neue Schuldenfalle. Was kann aus einbrechenden Bücherkartons noch entstehen? Viel Spaß, bis zum Hexenschuss, zum Totlachen. „Ich versuche an Dingen festzuhalten, die ich gar nicht mehr festhalten kann“, sage ich heute morgen noch im Bett. „In Wahrheit kann ich das Zeug jetzt schon nicht mehr selbst bewegen.“ Doch wie für Uran findet sich kein überzeugendes Endlager. Es strahlt immer weiter, über unseren Tod hinaus.
ROTER SALON zweisprachig
Ein Trost und objektiv ist es so: Es kommt, aus verschiedenen Gründen, immer gespeicherter Kohlenstoff in der Form von schwergewichtigem Papier nach. Und da der ROTE SALON HAMBURG nichtmal einen Flyer hat und damit relativ wenig Papier produziert, ist seine Existenz auch in klar begrenztem Stauraum gesichert.
In Hamburg allemal, mit einem Team, das ihn in der Zwischenzeit auch selbstständig führen kann, in Wien wird er nach und nach aufgebaut, die Partnersuche hat begonnen. Nächste Termine: Hamburg, 18. 6., 6.7., Wien, 16.09. Mehr Infos in Kürze: www.roter-salon-hamburg.de

Der MAC hebt ab
Der MAC findet eine Fortsetzung in 2027, sag ich mal. Entweder als Rewriting des ersten Teils, mit einem neuen Ausgang, der bis in die Gegenwart reicht, vielleicht darüber hinaus. „Dein Leben gleicht einer Material-Sammlung für den MAC“, sagte vor kurzem die Verlegerin Nora Sdun von textem. Ich nehme sie beim Wort!
Ich würde mir wünschen, einen Akzent setzen zu können, in der weiter aktuellen Debatte um die autofiktionale Literatur – mit einer Verschiebung Richtung Fiktion, also dahin, wo die wirkliche Arbeit beginnt.
Das war Hamburg
Eine andere Idee wäre, einfach ein Hamburg-Buch zu machen. Einfach? Naja – etwa unter dem Titel „Das war Hamburg – 1989 – 2026“. Das „Abschließen“ mit Hamburg könnte ein ähnliches Momentum bieten wir das Beenden der Psychoanalyse im ersten „Mann auf der Couch“. Ein Schwerpunkt könnte die erlebte Entwicklung der Medien sein – von der Goldgräber-Zeit der gedruckten Magazine mit ihren stolzen und reichen Verlagshäusern – bis zum verzweifelten „Alles muss raus“-Flohmarkt der früheren Gruner und Jahr-Mitarbeiter vor der Verlagsruine am Baumwall.
Es könnte aber auch eine Novelle sein (so wie der MAC kein Roman war), die meine Hamburg-Jahre beschreibt, oder ein neuartiges Konzeptbuch, in dem jede einzelne Straße aufgelistet ist, die ich je in Hamburg ge- und besucht habe, mit Beschreibung, wie sie ist, was da geschah, wen ich traf etc. Privat und Job wild gemischt.
Die Geschichte der Linken in Österreich von 1983 bis 2026
Bietet sich an, auch für mein eigenes, besseres Verständnis und weil ich mich für den ROTEN SALON WIEN ohnehin in der „Linken“ in Wien umsehen muss. (Erste Beobachtung; In Wien gibt es keine „Linke“, in der Weise, wie wir in Deutschland den Begriff benutzen, eher noch eine „Arbeiterbewegung“, wie wir den Begriff in Deutschland nicht mehr benutzen).
Der Beginn dieser Geschichte liesse sich datieren mit dem Ende der sozialdemokratischen Ära (1983) und der Besetzung der Hainburger Au (1984) – das ist übrigens auch der Zeitraum, als „wir“ (Teile meiner Journalisten-Generation) Österreich verlassen haben, und des Aufstiegs Jörg Haiders und der FPÖ. Was in Deutschland „autonome Linke“ genannt wird, zeigte sich in Wien am ehesten mit der Besetzung des Ernst Kirchweger-Hauses 1990, einer leerstehenden Immobilie der KPÖ. Welche Spielräume „Marxist“ Andreas Babler in seiner Partei, der SPÖ hat und welche Perspektive die verwandelt zurückgekehrte KPÖ bietet – damit würde das Buch wohl ausklingen.
Lagern in den 180 Kisten ungelegte Eier? In gewisser Weise, ja. Neues kann nur aus dem Alten entstehen. Wer mehr über die Magie von Archiven erfahren will, kann auch hier nachlesen: https://textem-verlag.de/textem/magazine/kultur-und-gespenster/480
